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Kanzlerin auf Ethiksuche

Kanzlerin auf Ethiksuche

Man weiß nicht, wovor Angela Merkel seit Fukushima mehr Angst hat: vor dem Risiko der Kernenergie oder vor dem Risiko, Wahlen zu verlieren. Um Letzteres geht es ihr offenbar bei der Einsetzung einer Kommission, die sich mit ethischen Fragen der Kernenergie beschäftigen soll. Man weiß nicht genau, ob dieses Gremium den kurzfristigen Ausstieg oder die weitere Verlängerung der Stromgewinnung durch Kernkraftwerke rechtfertigen soll. Im Dunkeln bleibt auch, warum man das jetzt noch „ethisch“ diskutieren soll, es sei denn, man will sich noch einmal gegenseitig versichern, dass die Kernenergie bei dem Ausmaß möglicher Schäden und den Schwierigkeiten, den Atommüll loszuwerden, nicht zu verantworten ist.

Es handelt sich um eine politische Entscheidung, die von den gewählten Politikern im Sinne des Volkswillens zu treffen ist und nicht von irgendeinem „Rat der Weisen“. Besonders merkwürdig wirkt das Ganze, wenn man hört, auf wen die deutsche Bundeskanzlerin politische Entscheidungsfindung hier delegiert: unter anderem auf den Münchner Kardinal Reinhard Marx, den baden-württembergischen Landesbischof Ulrich Fischer und den Präsidenten der deutschen Katholiken Alois Glück. Es heißt, dass in solchen Gremien alle gesellschaftlichen Kräfte, also auch die Kirchen, eingebunden werden müssen. Ausgerechnet: weniger als 10 % der Bevölkerung besuchen deren Gottesdienste und wollen deren Kanzelreden hören. Das Ansehen der Kirchen in der Öffentlichkeit rangiert weit abgeschlagen nach anderen gesellschaftlichen Gruppen. Und soweit es um die Repräsentanten der römisch-katholischen Organisation geht, wurden sie vergangenes Jahr vor allem als Schutzherrn pädophiler Priester und Vertuscher von deren Sexualverbrechen bekannt. Will man solchen Leuten noch Ethik-Kompetenz zugestehen? Soll uns ein Kardinal sagen, ob wir uns die Kernkraftwerke länger zumuten sollen oder nicht? Oder kann uns ein Landesbischof sagen, ob das Restrisiko, das in Japan zur Katastrophe führt, in Deutschland nicht so schlimm ist?

Offenbar verwechselt die Pfarrerstochter Angela Merkel den Staat mit einem Pfarrerhaushalt.