Freie Bürger für demokratische Werte

Abgeordnete, stoppt die Papstrede im Bundestag!

An die Abgeordneten: Protest gegen Papstrede

Freie Bürger für demokratische Werte
Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld

7. April 2011


im Herbst soll Papst Joseph Ratzinger im Bundestag eine Rede halten dürfen. Wir, die Freien Bürger für demokratische Werte, sind über diese Entscheidung sehr erstaunt und möchten Sie bitten, sie dringend noch einmal zu überprüfen.

70% der Deutschen haben mit der Vatikankirche nichts zu tun. Und nur etwa 2 Prozent der Deutschen sind aktive katholische Kirchgänger; diese würden also kläglich an der 5-Prozent-Hürde scheitern.

Als Religionsführer kann man den Oberpriester der Vatikankirche also nicht sprechen lassen, das scheint sogar seinen Anhängern klar zu sein. Also wendet man einen Trick an: Der Papst soll als „Staatsoberhaupt“ sprechen. Doch der Vatikan ist nur ein Miniaturstaat mit wenigen hundert Prälaten als „Einwohnern“, den der Faschistenführer Mussolini 1929 dem damaligen Papst schenkte – als Gegenleistung für die aktive „Mitwirkung“ des Vatikans bei der Liquidierung der italienischen Demokratie.

Die Verfassung des Vatikans kennt weder Menschenrechte noch eine demokratische Gewaltenteilung. Der Papst ist ein absoluter Alleinherrscher, der mit diktatorischer Vollmacht alles bestimmt. Eine Gleichberechtigung der Frauen fehlt völlig.

In der Präambel der vatikanischen Verfassung heißt es, dass dieser Staat den Zweck hat, dem Papst im Äußeren Unabhängigkeit für seine „Weltmission“ zu verschaffen. Wer den Papst einlädt, egal wohin, lädt demnach zwangsläufig immer einen Religionsführer ein, der missionieren will. Das „Staatsoberhaupt“ Joseph Ratzinger kann man also vom „Religionsführer“ Ratzinger nicht trennen.

Doch dann stellen sich zwangsläufig einige Fragen:
Für welche „Werte“ steht Papst Ratzinger als katholischer Religionsführer?
● Welche Anklagen und Verurteilungen müsste er im Bundestag vorbringen, wenn er die gültigen Lehrverkündigungen ernst nimmt, wie sie z.B. in dem Buch „Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung“ von Neuner/Roos niedergelegt sind, oder im offiziellen Katechismus der Vatikankirche?
● Was müsste er vorbringen, wenn er die Bibel der Kirchen ernst nimmt, die nach hochoffizieller katholischer Auffassung „Gott zum Urheber“ hat?

Was würde der Papst z.B. zu den obersten Repräsentanten des deutschen Staates sagen? Wie hätte er sie aus der Sicht seiner Religion zu beurteilen? Bundespräsident Christian Wulff ist katholisch, Bundestagspräsident Norbert Lammert ist engagierter Katholik, Bundeskanzlerin Angela Merkel ist eine lutherische Pfarrerstochter. Doch welche Maßstäbe legt die katholische Lehre an? Nehmen wir einmal die Lutheraner. In der offiziellen Sammlung der Lehraussagen der katholischen Kirche: „Der Glaube der Kirche in den Urkunden der Lehrverkündigung“ von Neuner/Roos finden wir unter Randnummer 381 folgende Aussage:

„Die heilige römische Kirche ... glaubt fest, bekennt und verkündet, dass »niemand außerhalb der katholischen Kirche weder Heide« noch Jude, noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr (der Kirche) anschließt.“

Mit „die Kirche“ ist hier natürlich ausschließlich die katholische Kirche gemeint. Und die „von der Einheit Getrennten“ – das sind unter anderem die Protestanten. Das betrifft aber nicht nur die Bundeskanzlerin. Das betrifft schätzungsweise ein Drittel bis die Hälfte aller Abgeordneten des Deutschen Bundestages. In der Hölle landen aber nach der Lehre der Kirchen auch zwei Drittel der deutschen Bevölkerung – wenn sie sich nicht vor ihrem Tod noch der Romkirche anschließen. Ähnlich ergeht es rund 5,7 Milliarden Menschen auf der Erde, die das Pech haben, keine Katholiken zu sein.

Das sind also die Werte, für die Papst Joseph Ratzinger als Religionsführer steht. Doch ist er als Staatsoberhaupt ein anderer?

Wenn man mit Katholiken spricht, dann sind die an dieser Stelle ganz erstaunt und sagen sinngemäß: Aber wir haben doch gehört, dass das Zweite Vatikanische Konzil diese Dinge geändert hat und anerkannt hat, dass auch Menschen anderer Religionen zu Gott kommen können. Nur: Gelesen haben die wenigsten von ihnen die entscheidenden Texte dieses Konzils aus den 60er Jahren. Die entscheidenden Dinge stehen wie so oft im Kleingedruckten. Im erwähnten Buch der katholischen Lehrverkündigungen ist unter der Randnummer 373 ein solcher Konzilstext abgedruckt:

„Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen.“ „Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden ...“ Das bedeutet wiederum: Ab in die Hölle! Und was bleibt von der angeblichen Großzügigkeit der Konzilsväter gegenüber anderen Religionen und Konfessionen übrig? Eine einzige kleine Rettungstüre, die da lautet: „... die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen ...“ Doch welcher Lutheraner kann von sich sagen, dass er die römisch-katholische Kirche nicht kennt?
Das sind also die Werte, für die Papst Joseph Ratzinger als Religionsführer steht. Doch ist er als Staatsoberhaupt ein anderer?

Doch auch die Katholiken können sich keineswegs sicher sein, dass sie so ohne weiteres der Hölle entgehen: Auch auf sie warten unendlich viele Fußangeln im Gestrüpp der katholischen Dogmen. In der besagten katholischen Sammlung der Lehraussagen bei Neuner und Roos ist es nachzulesen, und zwar unter Randnummer 85:

„Wer nicht die ganze kirchliche Überlieferung annimmt, die geschriebene wie die ungeschriebene, der sei ausgeschlossen.“
„Ausgeschlossen“ – das heißt wiederum: auf ewig verdammt, wenn dieser Ausschluss nicht vor dem Tod rückgängig gemacht wird. Das Interessante dabei ist, dass davon nicht nur Katholiken betroffen sind, die äußerlich sichtbar gegen Regeln der Kirche verstoßen haben, wie z.B. Geschiedene, die wieder heiraten. Katholiken sind in diesem Fall bekanntlich von den Sakramenten ausgeschlossen, da gibt es auch keine Ausnahme, wenn man z.B. deutscher Bundespräsident ist. Von den Sakramenten ausgeschlossen bedeutet exkommuniziert, und das wiederum bedeutet, wenn es vor dem Tod nicht aufgehoben wird, ewige Hölle. Aber auch wenn ein Katholik nur an einem Dogma zweifelt, ja schon wenn er etwas von der traditionellen Überlieferung der Kirche nicht annimmt, dann unterliegt er der sogenannten automatischen Exkommunikation. Und zur „Überlieferung“ der Kirche gehört z.B. seit dem 11. Jahrhundert auch der Zwangszölibat, dem alle katholischen Priester unterliegen. Waren sich z.B. der katholische Bundestagspräsident Norbert Lammert und die katholische Bildungsministerin Annette Schavan der Gefahr bewusst, in der sie schweben, seit sie öffentlich eine Aufhebung dieser Überlieferung gefordert haben?

Wäre der Papst ehrlich, so müsste er all dies bei seiner geplanten Rede im Bundestag ansprechen. Er müsste versuchen, die Seelen der Politiker, die sich so eigenmächtig von der katholischen Linie entfernt haben, im letzten Moment noch vor dem ewigen Höllenfeuer zu retten.

Aber auch die Katholiken, die niemals auf die Idee kämen, ihre Zweifel öffentlich zu äußern, schweben, meist ohne es zu wissen, in großer Gefahr. Welcher Katholik glaubt z.B. heute noch an die Jungfrauengeburt Jesu durch Maria? Oder daran, dass auch Maria von ihrer Mutter „unbefleckt“ geboren wurde, und dass sie nach ihrem Tod nicht nur als Seele, sondern mit ihrem materiellen Körper in den Himmel aufgenommen wurde?

Dafür also steht Papst Ratzinger als Religionsführer – ist er als Staatsoberhaupt ein anderer?

Was müsste der Papst, wenn er ehrlich wäre und die Lehre seiner Kirche selbst ernst nimmt, z.B. zu Politikern sagen, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennen? In der Bibel der Kirchen findet sich dazu im 3. Buch Mose, Kapitel 20, folgende Aussage:

„Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.“ (Lev 20,13) Nun könnte man sagen: Wer nimmt denn die Bibel schon wörtlich? Der Papst! Als Kardinal Ratzinger brachte er im Jahr 2000 die offizielle Verlautbarung „Dominus Jesus“ heraus, in der es heißt:

„... aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben ..., Gott zum Urheber haben.“ Diese Bücher lehren „sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit.“Auch im Katechismus der Vatikankirche, den Joseph Ratzinger als Kardinal maßgeblich mit herausgegeben hat, steht unter Randnummer 135 zu lesen:

Gott ist der Urheber [Autor] der Heiligen Schrift ... Er verbürgt somit, dass ihre Schriften die Heilswahrheit irrtumsfrei lehren.“

Es ist also nach Papst Ratzingers Auffassung „irrtumsfrei“ Gottes Wort, dass Homosexuelle ermordet werden sollen. Fragt sich nur, welcher Gott hier gemeint ist.

Oder nehmen wir die Politiker, die sich scheiden ließen, um eine jüngere Frau zu heiraten, oder die neben ihrer Ehefrau eine Geliebte hatten. Auf Ehebruch steht in der Bibel der Kirchen die Todesstrafe. Wir können es nachlesen im 3. Buch Mose, wieder im 20. Kapitel:

„Ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht, wird mit dem Tod bestraft, der Ehebrecher samt der Ehebrecherin.“

Das sind also die Werte, für die Papst Joseph Ratzinger als Religionsführer steht. Doch ist er als Staatsoberhaupt ein anderer?
Wäre der Papst ehrlich, dann müsste er in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag all diese Verdammungsurteile darlegen, um – aus der Sicht seiner Kirche – die Seelen der zahlreichen „Verdammungskandidaten“ noch zu retten, die zu diesem Zweck aber dann schleunigst ein erzkatholisches Leben beginnen müssten.

All diese „Werte“ vertritt also Papst Joseph Ratzinger aus der angeblich unfehlbaren Lehre seiner Kirche heraus. Doch wie sieht es mit ihm persönlich aus?

Seit spätestens 2001 gehen alle Fälle von Sexualverbrechen von Priestern über den Schreibtisch Ratzingers – zunächst als Präfekt der Glaubenskongregation, später als Papst erst recht. Er ist also für ungezählte Fälle von Vertuschung und Strafvereitelung verantwortlich.

Bis heute hält Ratzinger das Kondomverbot seiner Kirche aufrecht, obwohl er damit für den Tod von Millionen von katholischen Aidskranken eine Mitverantwortung trägt.

Immer wieder tauchen neue Verdachtsmomente bezüglich Geldwäsche in der vatikaneigenen Bank auf.

In Ungnade gefallene Theologen wurden durch Joseph Ratzinger persönlich gemaßregelt und sollten zu einem Kadavergehorsam gezwungen werden, der der Menschenwürde widerspricht.

Papst Ratzinger lässt es zu, dass seine Kirche den deutschen Staat Jahr für Jahr ausplündert, indem sie rund 7,5 Milliarden Euro an Subventionen und Steuerbefreiungen einstreicht.

Bis heute hat die Kirche ihre Drohbotschaft von einem „strafenden Gott“, der Menschen, die sich von der Kirche abwenden, in die „ewige Hölle“ verbannt, nicht widerrufen – im Gegenteil: Noch immer leiden ungezählte Menschen unter seelischen Störungen aufgrund dieser abstrusen Lehre.

Bis heute will Papst Ratzinger unbedingt seinen Vorgänger Pius XII. selig und heilig sprechen. Und wer das tut, der identifiziert sich mit diesem Menschen und empfiehlt ihn anderen als Vorbild. Dieser Papst Pius XII. schwieg jedoch nicht nur zum Holocaust, sondern er war als Kardinalstaatssekretär auch maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass Hitler in Deutschland an die Macht kam und der Reichstag und damit die Demokratie selbst sich entmachtete.

All dies geht auf das persönliche Schuldkonto von Joseph Ratzinger als katholischem Religionsführer. Ist er als Staatsoberhaupt ein anderer?

Und nun die Frage: Soll so jemand wirklich im deutschen Parlament sprechen dürfen?
Was wird das Ausland dazu sagen?

Wir fordern Sie auf, diese Frage noch einmal ernsthaft zu prüfen – im Interesse der Würde des deutschen Parlamentarismus und der demokratischen Werte, die sich dieses Land mit seiner vorbildlichen Verfassung seit Jahrzehnten bitter erarbeitet hat!

Mit demokratischen Grüßen!


(Matthias Holzbauer)

P.S.: Der Papst will offenbar selbst auf die Möglichkeit einer Rede vor dem Bundestag verzichten. Jedenfalls hat er beim Neujahrsempfang des Diplomatischen Korps Anfang des Jahres ausdrücklich betont, der Kirche gehe es nicht um Privilegien. Und so eine Rede vor dem Parlament ist doch ein Privileg, oder?

P.P.S.: Zu Ihrer Information: Ich habe diesen Brief an alle Bundestagsabgeordneten geschickt. Sein Inhalt wird auch auf unserer Homepage www.freie-buerger.org veröffentlicht.