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Katholische "Wunder"-Hysterie in Polen

Frau Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
Bundeskanzleramt
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin

10.10.2011



Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

der Papst ist erst wenige Tage weg, und schon zeigt sich die Vatikankirche einmal mehr von ihrer ausgesprochen abstrusen Seite.

In dem ostpolnischen Städtchen Sokółka an der Grenze zu Weißrussland fand vor wenigen Tagen eine feierliche Prozession statt. Erzbischof Ozorowski aus Białystok und eine endlose Rehe von Klerikern im vollen Ornat waren angereist, um vor großem Publikum feierlich einen winzigen Gewebeklumpen umherzutragen, angeblich aus einem menschlichen Herzen stammend. Eine 2008 heruntergefallene Hostie soll sich – nach ihrer Auflösung in Wasser – mir nichts dir nichts in menschliches Herzgewebe verwandelt haben.

Auch wenn namhafte polnische Wissenschaftler schon vor zwei Jahren darauf hingewiesen hatten, dass das krankheitserregende Bakterium Serratia marcescens, in Wissenschaftlerkreisen nicht umsonst auch als „Wunderstäbchen“ bekannt, Mehlpartikel ohne weiteres rot färben kann, unternahm der Vatikan nichts, um die Massenhysterie zu beenden. Tausende von Pilgern reisen an, und einzelne behaupten bereits, „Wunderheilungen“ erlebt zu haben.

Der örtliche Klerus beruft sich auf ein „Gutachten“ einer Professorin der Universität Białystok, die aber bereits von Kollegen gerügt wurde, weil sie „unwissenschaftlich und unredlich“ vorgegangen sei. Die Kollegin sei „eine Person, die Religion sehr emotional behandelt“, sagte schon 2009 der leitende Professor der medizinischen Fakultät. „Sie sah in der Hostie das, was sie sehen wollte.“



Was würde geschehen, wenn in einer kleinen Glaubensgemeinschaft außerhalb der Kirchen oder z.B. im Voodoo-Kult so etwas auftreten würde? „Dreister Betrug“, „Volksverdummung“ oder „Massenpsychose“ wären noch freundliche Ausdrücke dafür.

Doch der Vatikan tut nichts, er lässt sich Zeit. Man werde das ganze noch „untersuchen“, heißt es. Und das kann bekanntlich dauern. Doch selbst wenn er das „Wunder“ irgendwann doch nicht anerkennen sollte – an „Wundern“, die von der Kirche längst „anerkannt“ sind, besteht auch so kein Mangel. Und der Katholik muss sie allesamt glauben, ob er will oder nicht, sonst landet er zwangsläufig in der „ewigen Hölle“. Das ist in der offiziellen katholischen Lehrsatz-Sammlung „Der Glaube der Kirche“ von Neuner/Roos schwarz auf weiß nachzulesen:

„Wer sagt, Wunder könnten nicht geschehen, deshalb seien all Wunderberichte ... unter Legenden und Mythen zu verweisen; oder die Wunder könnten niemals sicher erkannt werden, und niemals könne durch sie der göttliche Ursprung der christlichen Religion rechtmäßig bewiesen werden, der sei ausgeschlossen.“

Ähnliches gilt übrigens genauso für den Glauben an die angebliche „Heiligkeit“ und Wirksamkeit von Reliquien. Die Vatikankirche zwingt ihre Untertanen also unter Androhung ewiger Höllenqualen dazu, an so etwas Abstruses und noch viel mehr zu glauben. Und den Chef dieser Konfession, deren Gepflogenheiten bis ins Detail hinein aus antiken heidnischen Blut- und Opferkulten stammen, laden Sie dann auch noch in den Bundestag ein.

In Deutschland wird dieser Hokuspokus außerdem noch mit 15 bis 20 Milliarden Euro aus dem Steuersäckel subventioniert – obwohl doch der Papst selber dazu aufgerufen hat, die Privilegien der Kirche abzulegen. Wann nehmen Sie ihn endlich beim Wort und machen Schluss mit der skandalösen Subventionierung einer steinreichen Institution?

Mit freundlichen Grüßen





(Matthias Holzbauer)