Freie Bürger für demokratische Werte

Brief an Erika Steinbach (CDU)

Frau Erika Steinbach MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin

29.6.11

Sehr geehrte Frau Steinbach,

Ihr Angriff auf die Abgeordneten, die sich kritisch zur geplanten Papstrede geäußert haben, ist skandalös.

Als Vorsitzende einer Arbeitsgruppe „Menschenrechte und humanitäre Hilfe“ wollen Sie ausgerechnet einen Mann zu einer Rede einladen, der schon als Kardinal maßgeblich für das Vertuschungssystem verantwortlich war, das pädokriminelle Täter im Priestergewand deckte – und der als Papst bis heute für dieses System hauptverantwortlich ist. Der verantwortlich dafür ist, dass Millionen von Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind oder jämmerlich sterben, weil sie in Afrika sein Kondomverbot befolgt haben. Einen Mann, dessen Organisation bis heute die internationalen Menschenrechtserklärungen nicht unterzeichnet hat. Kein Wunder, dass er mittlerweile beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angezeigt wurde.

Sie wollen einen Mann einladen, der seine Kaltherzigkeit und seinen Glaubens-Fanatismus im Umgang mit ungezählten Befreiungstheologen und kircheninternen „Abweichlern“ zur Genüge unter Beweis gestellt hat, und dessen Kirche in ihren Dogmen einem respektvollen Miteinander der Religionen ins Gesicht schlägt – indem sie nämlich alle Nicht-Katholiken (und übrigens auch Sie, Frau Steinbach) zu „ewig Verdammten“ erklärt, falls sie nicht vor ihrem Tod rechtzeitig katholisch werden.
Vor allen Dingen zeigt das beschämende Vorhaben dieser Papstrede aber, wie die Verantwortlichen Ihrer Partei die demokratischen Wurzeln unseres Landes verneinen. Das absolutistische Oberhaupt eines Staates, der keine Gewaltenteilung kennt und in der Präambel seiner Verfassung ausdrücklich die „Weltmission“ als Staatszweck angibt, hat in einem demokratisch gewählten Parlament nichts verloren.

Wir leben in Deutschland und auch in Europa auf dem Fundament eines demokratisch und rechtsstaatlich geprägten Abendlandes. Wer einen Typus unfreiheitlichen Verhaltens wie Papst Benedikt im Deutschen Bundestag reden lässt, der verweigert nicht nur der Demokratie seinen Respekt, sondern auch den ungezählten Menschen, die bis zum heutigen Tag zu Opfern der Vatikankirche wurden.

Wer wie Sie, Frau Steinbach, den Papst mit „Nächstenliebe“ und respektvollem Miteinander“ in Verbindung bringt, der verhöhnt zudem Tausende von Opfern katholischer Sexualverbrechen und Misshandlungen z.B. in katholischen Heimen, die das genaue Gegenteil in dieser Kirche erfahren haben. Oder würden Sie etwa Ihre Enkel der Kirche des Papstes und deren Lüstlingen zur Verfügung stellen? Vermutlich nicht. Doch dann muten Sie bitte auch den demokratisch gesinnten Bürgern dieses Landes, die sich an höheren ethischen Maßstäben orientieren, nicht ein solches Schauspiel zu, bei dem man sich unwillkürlich fragt, ob hier quasi die Demokratie über einen Diktator aufgespießt werden soll.

Mit besten Grüßen,



(Matthias Holzbauer)



Eine Kopie dieses Briefes, der auch im Internet veröffentlicht wird, geht an die Laizisten in der SPD