Freie Bürger für demokratische Werte

Brief an Kerstin Griese (SPD)

Frau Kerstin Griese MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin

29.6.11
Sehr geehrte Frau Griese,

Ihre Äußerung zum Papstbesuch im Bundestag halte ich nicht für sehr hilfreich. Ich halte auch Ihre darin zum Ausdruck kommende Ignoranz für ziemlich unglücklich.

Haben Sie in Ihrem Studium der Geschichte die Geschichte der katholischen Kirche übersprungen? Die Verbrechen mit Millionen von Opfern, von der Inquisition über die Hexenverfolgung bis zum Völkermord? Oder die aktuellen üblen Verbrechen klerikaler Sittenstrolche und Kinderschänder mit Tausenden und Abertausenden von Opfern – Verbrechen, die von Joseph Ratzinger als Kardinal systematisch vertuscht und damit immer wieder begünstigt wurden?

Und den Chef einer solchen Organisation wollen Sie im Bundestag hören? Weil er, so werden Sie zitiert, „etwas Konstruktives zur Ökumene“ sagen soll.

Was meinen Sie damit? Gemeinsamkeiten wie die des hochkarätigen evangelischen Theologen, auf den ein Großteil der Kinderschändungen in der Odenwaldschule zurückgeht? Oder die gemeinsame unchristliche Lehre von der Zwangstaufe und der ewigen Verdammnis? Der Papst ist sicher bereit, Ihnen auf dem Gebiet unchristlicher Verhaltensweisen entgegenzukommen und mit Ihnen zusammenzuarbeiten, wenn es darum geht, unter dem Etikettenschwindel "christlich" mit salbungsvollen Worten den Steuerzahler um weitere Milliarden zu schröpfen.
Oder haben Sie sich schon mit Ihrer katholischen Kollegin Andrea Nahles arrangiert, die ja den Papst, den diktatorisch-absolutistischen Alleinherrscher, bereits als "Chef vom Ganzen" bezeichnet hat? Martin Luther, für den der Papst ein "leibhaftiger Teufel" war, würde sich im Grab herumdrehen.



Besonders entsetzt dürfte er über die von keiner Kenntnis der Tatsachen getrübte Naivität einiger seiner Anhänger sein, die sich durch schöne Worte einlullen lassen. Denn gleich, welche Schalmeienklänge der Papst anschlägt: Was für den Papst verbindlich ist, das sagt klar und eindeutig die unfehlbare und unabänderliche Dogmensammlung seiner Organisation aus, etwa:

"Dem römischen Papst sich zu unterwerfen, ist für alle Menschen unbedingt zum Heile notwendig: Das erklären, behaupten, bestimmen und verkünden Wir."
(Abgedruckt unter Randnr. 430 in der katholischen Dogmensammlung von Neuner und Roos.)

Und Ihnen als Protestantin verspricht der Papst, ebenso wie den Juden und allen anderen „Ungläubigen“, das schlimmste Los der ewigen Verdammnis:

„Die heilige römische Kirche, durch das Wort unseres Herrn und Erlösers gegründet, glaubt fest, bekennt und verkündet, daß niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr, der Kirche, anschließt.“
Nachzulesen wiederum bei „Neuner-Roos“ (Nr. 381):Soviel zum Thema Ökumene, die für den Papst allenfalls als Unterordnung der Lutherkirche unter die vatikanische Oberherrschaft denkbar ist – möglicherweise unter Beibehaltung gewisser ritueller Eigenheiten, ähnlich wie z.B. bei den slawisch-unierten Kirchen.

Ich halte es für unglücklich, ja geradezu bestürzend, wenn eine vom überwiegend nicht-katholischen Volk gewählte Abgeordnete wie Sie einem Typus von Zeitgenossen einen Auftritt vor der Volksvertretung verschafft, der Menschen mit der Androhung der ewigen Verdammnis zum Eintritt in seinen Verein zu erpressen versucht.

Mit freundlichen Grüßen



(Matthias Holzbauer)

Eine Kopie dieses Briefes, der auch im Internet veröffentlicht wird, geht an die Laizisten in der SPD