Freie Bürger für demokratische Werte

Brief an Wolfgang Bosbach (CDU)

Herrn Wolfgang Bosbach MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin

29.6.11
Sehr geehrter Herr Bosbach,

Ihre in der Rheinischen Post veröffentlichte Kritik an dem Abgeordneten Rolf Schwanitz ist mehr als peinlich. Es zeugt von einer bedauerlichen Ignoranz, wenn ein Abgeordneter des Deutschen Bundestags einen anderen Abgeordneten kritisiert, nur weil dieser sich verfassungs- und rechtskonform verhält.

Noch peinlicher ist aber, dass Sie nach eigenen Angaben „kein vernünftiges Argument“ kennen, „weshalb man es dem Papst untersagen sollte, im Bundestag zu sprechen.“ Sind Ihnen die weltweiten Skandale der Sittenstrolche und Kinderschänderverbrecher der päpstlichen Organisation und die Vertuschungsaktionen des Joseph Ratzinger entgangen, oder halten Sie diese verbrecherischen Aktivitäten für nicht anstößig?

Kennen Sie irgendeine Organisation auf dieser Welt, deren Oberhaupt in seinen Reihen so viele Sittenstrolche und Kinderschänderverbrecher beschäftigt wie der Papst in seiner römisch-katholischen Institution?

Kennen sie irgendeine Organisation auf dieser Welt, deren Beschäftigte über Jahrzehnte hinweg so viele Tausende und Abertausende von wehrlosen Kindern vergewaltigt und missbraucht haben - die Kinderpsychologen sprechen auch von Seelenmord - wie die römisch-katholische Organisation des Papstes?

Wenn Sie sich persönlich diesem Mann und seiner Organisation verbunden fühlen, bleibt Ihnen dies unbenommen. Sie können ja dafür eintreten, dass Ihre Enkel den Beschäftigten einer solchen Institution ausgesetzt werden, auch das bleibt Ihnen unbenommen. Aber bitte laden Sie nicht in meinem Namen und von meinen Steuergeldern den Schirmherrn dieser üblen Sittlichkeitsverbrecher ein. Wer eine totalitäre Organisation leitet, die nicht nur in der Vergangenheit, sondern bis in die Neuzeit für derart scheußliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich ist, hat in unserer Volksvertretung nichts zu suchen.

Und das war jetzt erst ein Argument, das gegen die Papstrede spricht. Joseph Ratzinger wurde beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag auch wegen anderer Verbrechen gegen die Menschlichkeit angezeigt, etwa wegen der Aufrechterhaltung eines todbringenden Kondomverbots. Und was ist mit der undemokratischen Verfassung des Vatikanstaats, der in seiner Präambel die Weltmission als Staatszweck benennt? Was ist mit den Dogmen, die Menschen anderen Glaubens die „ewige Verdammnis“ zuweisen?

Dem gegenüber kennen wir kein einziges Argument, das für eine solche Rede sprechen würde. Eine „Sternstunde des Parlaments“ wird es jedenfalls nicht werden, eher ein schwarzer Tag für die Demokratie in Deutschland.

Mit freundlichen Grüßen



(Matthias Holzbauer)

Eine Kopie dieses Briefes, der auch im Internet veröffentlicht wird, geht an die Laizisten in der SPD