Freie Bürger für demokratische Werte

Brief Julia Klöckner (CDU)

Julia Klöckner MdL
Kaiser-Friedrich-Str. 3
55116 Mainz

16.9.11

Sehr geehrte Frau Klöckner,

der Besuch des Papstes werde „vielen Menschen Freude bereiten“, so äußerten Sie sich gegenüber der Presse. Und weiter sagten Sie: „Mir ist entgangen, dass die Kritiker des Papstbesuches eine solche Antihaltung beim Besuch des Dalai Lama oder eines anderen Religionsoberhauptes an den Tag gelegt hätten.“

Dabei ist Ihnen offenbar auch entgangen, dass weder der Dalai Lama noch ein „anderes Religionsoberhaupt“ je im Bundestag hat reden dürfen.

Weiter ist Ihnen entgangen, dass weder der Dalai Lama noch ein anderer mir bekannter Religionsführer ein derartiges weltweites Vertuschungssystem von Kinderschänderverbrechen zu verantworten hat wie Joseph Ratzinger, über dessen Schreibtisch seit seinem Dienstantritt als Kurienkardinal alle einschlägigen Fälle zu laufen hatten.

Insofern glaube ich nicht, dass eine derartige Ehrung dieses Mannes, wie sie eine Rede im Bundestag darstellt, den Opfern dieser Kinderschänderbrechen „Freude bereitet“, im Gegenteil: Man macht sie ein weiteres Mal zu Opfern.

Wer Menschen, denen die Werte der Verfassung, insbesondere die weltanschauliche Neutralität des Staates und des Parlaments, ein Anliegen sind, mit dem Wort „Antihaltung“ abqualifiziert, der leidet offenbar selbst unter einer Art „Antihaltung“, nämlich gegenüber grundlegenden Werten unserer Verfassung.

Mit freundlichen Grüßen,



(Matthias Holzbauer)