Freie Bürger für demokratische Werte

Brief Norbert Lammert (CDU)

Herrn Bundestagspräsident
Norbert Lammert MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin

16.9.11

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,

„Toleranz und Höflichkeit“ erwarten Sie laut Presseberichten von den Abgeordneten, wenn der Papst redet. Die Kritik „einiger Abgeordneter“ an dieser Gastrede könnten Sie „nicht nachvollziehen.“

Es ist schon merkwürdig, wenn Sie als zweithöchster Repräsentant unseres Staates es „nicht nachvollziehen“ können, dass aufrechte Demokraten die verfassungsmäßig gebotene Neutralität des Staates offenbar ernster nehmen als Sie selbst.

Was soll daran „intolerant“ sein, wenn man sich etwas nicht anhören und ein Schauspiel, das man für ein demokratisch gewähltes Parlament als nicht passend erachtet, nicht unterstützen will? Aber vielleicht haben Sie ja einen katholischen Toleranzbegriff verinnerlicht, wonach „Toleranz“ darin besteht, das zu tun, was der Papst will.

Dann würde es in Wahrheit Ihnen an Toleranz gegenüber denen mangeln, die es wagen, sich an diese katholische „Toleranz“ nicht zu halten.

Im übrigen haben Sie die Ehrung eines Mannes eingefädelt, der gegenüber den Opfern des pädokriminellen Missbrauchs seiner Kirche alles andere als „höflich“ war, dafür ums so „toleranter“ gegenüber den Tätern. Er hat nämlich über Jahre mitgeholfen, die Vorgänge, die alle über seinen Schreibtisch liefen, zu vertuschen.

Aber vielleicht heißt katholische „Toleranz“ ja auch: Weiterhin wegsehen und zum Unrecht schweigen?

Mit freundlichen Grüßen,



(Matthias Holzbauer)