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Sprengstoff Bibel - wann distanziert sich Ratzinge

Sehr geehrte ....,

mit Entsetzen haben auch wir die Nachrichten von den furchtbaren Terroranschlägen in Norwegen aufgenommen, insbesondere den blutigen Mordüberfall auf ein Zeltlager der Sozialistischen Arbeiterjugend. Auch waren wir entsetzt, dass sich der Attentäter selbst als „christlicher Fundamentalist“ bezeichnete. So war auch zu lesen: „Vergleichbar einem Qaida-Ideologen suchte Breivik aus der Bibel Passagen heraus, die Gewalt legitimieren. Gewalt sei nicht nur erlaubt, sondern sogar notwendig.“ (spiegel.de, 25.7.2011)

Leider hat der Attentäter in Bezug auf die Bibel nur allzu recht. So heißt es etwa im 4. Buch Mose, Kapitel 31 über das Massaker im Zeltlager der Midianiter:
"´Rüstet unter Euch Leute zum Kampf gegen die Midianiter, die die Rache des HERRN an den Midianitern vollstrecken.` Und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der HERR es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war ... Und Mose wurde zornig über die Hauptleute des Heeres und sprach zu ihnen: ´Warum habt ihr alle Frauen leben lassen?`“

Oder es heißt in 4. Mose, Kapitel 33: „Wenn ihr aber die Bewohner des Landes nicht vor euch her vertreibt, so werden euch die, die ihr übrig lasst, zu Dornen in euren Augen werden und zu Stacheln in euren Seiten und werden euch bedrängen in dem Lande, in dem ihr wohnt.“
Genau in diesem Sinne will der Täter den „Islam aus Europa vertreiben“ und er versteht sich dabei als kirchlicher „Tempelritter“.

Doch das sind ja nur zwei Beispiele aus der Bibel. Die ganze so genannte „Heilige Schrift“ ist voll von ähnlichen Zitaten, und eine gesamte Aufstellung der kriegerischen oder mörderischen Zitate würde viele Seiten füllen.
Und während man nun in ganz Europa fieberhaft nach Verbindungen und Kontakten des Terrortäters fahndet, verschließt man die Augen vor einer der gefährlichsten ideologischen Wurzeln des Täters, der Bibel, auf die er ausdrücklich Bezug nimmt. Es passt dabei ins Bild, dass der Attentäter zwar offiziell der evangelisch-lutherischen Staatskirche angehört, doch er „unterstütze einen kollektiven Übertritt zum Katholizismus“, so der kirchliche Informationsdienst idea (24.7.2011).

Gleichzeitig wird unterschlagen, dass sich z.B. auch die fundamentalistische katholische Weltkirche immer noch einschränkungslos auch zu jenen Büchern und Passagen der Bibel bekennt, auf die sich bis in unsere Tage Gewalttäter berufen. Der katholische Fundamentalist Joseph Ratzinger hält in seinem Katechismus weiter daran fest: "Das Alte Testament bereitet das Neue vor, während dieses das Alte vollendet. Beide erhellen einander; beide sind wahres Wort Gottes." (Katholischer Katechismus Nr. 140)

Solange sich Papst Joseph Ratzinger nicht im Namen seiner Kirche ausdrücklich von den unheilvollen, Gewalt verherrlichenden Teilen der Bibel distanziert, trägt er mit dazu bei, dass sich jemand als „christlicher Fundamentalist“ auf dieses Buch berufen kann, um seine abartigen Taten zu rechtfertigen. Solange hat Joseph Ratzinger auch im Deutschen Bundestag nichts zu suchen. Es wird vielmehr von Tag zu Tag deutlicher, dass es eine Fehlentscheidung war, ihn dort sprechen zu lassen. Die Skeptiker innerhalb des Bundestags, die diese Rede im Grunde nicht wollen, aber sich bisher der Mehrheit beugten, sollten sich fragen, ob sie diese Haltung weiterhin verantworten können.

Und was den Islam betrifft: Weil Papst Innozenz XI. im Jahr 1683 den Krieg gegen das islamische Osmanische Reich mit 1,5 Millionen Gulden aus der Kirchenkasse finanzierte, wurde er im Jahr 1956 „selig“ gesprochen, und er wird deshalb als „Verteidiger des christlichen Abendlandes“ geehrt. Joseph Ratzinger hat den Glassarg mit der Leiche des angeblich „Seligen“ im Petersdom ständig zu Verehrungszwecken vor Augen. Und noch in den 1990-iger Jahren bezog sich der kroatische Kriegsfürst Franjo Tudjman zur Rechtfertigung seiner Massaker auf die Bibel. Die Wurzeln der Gewalt der Religionskriege liegen also in der Kirchenbibel und werden von Menschen wie dem Attentäter von Oslo begierig aufgenommen, der sich wie einst die Kreuzritter als „Verteidiger des christlichen Abendlandes“ versteht.

Fazit: Fundamentalisten sind gefährlich und passen nicht zu unserer guten Demokratie. Und wenn man sich von dem gewalttätigen Fundamentalisten von Oslo zu Recht mit Abscheu abwendet, dann darf man den geistigen Fundamentalisten aus Rom zumindest nicht durch eine Bundestagsrede ehren. Oder demonstriert der Bundestag durch diese gespenstische Veranstaltung am Ende eine eigene „fundamentalistische“ Haltung, die darin besteht, das „Staatsross“ weiterhin von dem „Reiter Kirche“ lenken und finanziell ausnehmen zu lassen?

Mit freundlichen Grüßen