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Irland ist überall ...

Irland ist überall ...

Das bisher so katholische Irland kommt nicht zur Ruhe. Immer mehr Einzelheiten der Vertuschung von Sexualverbrechen durch die Kirchenhierarchie kommen ans Licht. Der Skandal, der den irischen Premier Enda Kenny zu dem bemerkenswerten Satz anregte, „das Irland des 21. Jahrhunderts werde sich nicht länger katholischer Macht fügen“,

http://derstandard.at/1310511278934/Zu-Kindesmissbrauch-Irland-bestellt-Botschafter-des-Vatikans-ein

wurde jetzt auch im irischen Parlament zu Thema. Kenny kommentierte dort laut Spiegel online den Bericht einer Regierungskommission, der zeige, „wie ‚abgehoben, elitär und narzisstisch die Kultur des Vatikan’ sei ... Vergewaltigung von Kindern werde heruntergespielt, stattdessen würden der Vorrang der Institution Kirche hochgehalten, ihre Macht und ihre Reputation betont.“

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,775615,00.html

Der Cloyne-Report hatte zuvor enthüllt, so die Badische Zeitung,
„dass noch bis vor drei Jahren katholische Priester im Raum Cloyne Kinder und Jugendliche ungestraft belästigen, misshandeln oder sogar vergewaltigen konnten ... Ganz besonders hebt der Report hervor, dass der Vatikan 1997 in einem heimlichen Schreiben den irischen Bischöfen geraten hatte, alle im Jahr zuvor eingeführten kirchlichen Kinderschutzvorschriften zu ignorieren und Missbrauchsfälle schlicht nach altem Kirchenrecht zu beurteilen. Dieser ‚kalt kalkulierende’ Rat habe es den Kirchenleuten vor Ort erlaubt, die betreffenden Fälle geheim zu halten, urteilt nunmehr Regierungschef Kenny.“

http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/wut-auf-rom--47704140.htmlhttp://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/wut-auf-rom--47704140.html

Und für diesen „kalt kalkulierenden Rat“ war niemand anderes verantwortlich als der derzeitige Papst Joseph Ratzinger, der als Leiter der Glaubenskongregation seinerzeit bereits für all diese Fälle zuständig war – für all diese Fälle weltweit. Denn Irland ist keineswegs ein Einzelfall – dort wird das weltweite Vertuschungssystem nur mit bisher nicht gekannter Entschlossenheit aufgedeckt.

... auch und gerade in Deutschland

Irland ist überall – auch und gerade in Deutschland. Die zeigt exemplarisch der Fall eines Priesters aus Salzgitter. Wie Spiegel online berichtet, hatte ihm die Hildesheimer Bistumsleitung „bereits 2006, aber nur kirchenintern, ein Kontaktverbot zu einem Zehnjährigen ausgesprochen. Weder andere Eltern noch Staatsanwaltschaft wurden informiert. Das Bistum ließ den Geistlichen sogar weiterhin mit Minderjährigen arbeiten. ... Wiederum schaltete die Kirche, entgegen ihren Versprechungen in der Missbrauchsdebatte des vergangenen Jahres, in diesem Jahr nicht sofort die Ermittlungsbehörden ein. Erst eine Anzeige von Eltern führte jetzt zur Verhaftung des Geistlichen.“ Selbst der Jesuitenpater Klaus Mertes spricht in diesem Zusammenhang von der „Schweigemauer einer Parallelwelt“.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,776295,00.html

Wie lange noch wollen deutsche Politiker die Augen vor dieser Parallelwelt mitten im demokratischen Deutschland verschließen und den verantwortlichen Schirmherren dieser Schweigemauer auch noch hofieren? Und was empfinden dabei die Opfer klerikaler Sexualverbrechen?

Ihr Abgeordneten des deutschen Bundestags: Jetzt seid ihr dran! Handelt endlich!



Bundesverfassungsrichter kriechen zu Kreuze

Doch vielleicht hat Joseph Ratzinger ja mehr politischen und juristischen Instinkt als die meisten deutschen Politiker und ahnt bereits, dass auch auf die Kirche in Deutschland noch weitere peinliche Turbulenzen zukommen könnten? Könnte es sein, dass er sich deshalb sogar vorbeugend mit den deutschen Bundesverfassungsrichtern treffen will? Sollen die höchsten deutschen Richter jetzt am Ende von ihm darauf eingeschworen werden, im Ernstfall keine Entscheidungen gegen die Kirche zu treffen? Fragen über Fragen ...

Fest steht: Am 25.September soll es in Freiburg (!) im Priesterseminar (!!) ein Treffen des Papstes mit Bundesverfassungsrichtern geben.

http://www.bild.de/politik/inland/papst-benedikt/papst-besuch-deutschland-benedikt-xvi-trifft-helmut-kohl-18959116.bild.html

Das bedeutet: Die Hüter der Verfassung, die mehr als alle anderen Staatsorgane zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet sind, reisen dem „Weltmissionar“ Ratzinger nicht nur devot hinterher. Sie treffen sich mit ihm sogar in einer katholischen Kaderschmiede. Sprich: Sie kriechen zu Kreuze.

Wo bleibt der Aufschrei der Demokraten über soviel Würdelosigkeit und Instinktlosigkeit?