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Putin wird ausgeladen – warum nicht auch der Papst

Putin wird ausgeladen...

... – warum nicht auch der Papst?

Die Verleihung der Quadriga-Preises an Wladimir Putin, geplant für den 3. Oktober, wird abgesagt. Der ehemalige tschechische Staatspräsident Václav Havel findet dies richtig und lässt dazu laut Hamburger Abendblatt verlauten: „Der Preis solle an Persönlichkeiten vergeben werden, die ihr Leben für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie einsetzten.“

http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1960300/Doch-keine-Quadriga-fuer-Wladimir-Putin.html

Womit er wohl sagen will, bei Putin sei das eher nicht der Fall. Doch wenn man – völlig zurecht – diesen Maßstab ansetzt: Wie sieht es dann mit einer anderen Ehrung aus, die für den 22. September geplant ist?

Joseph Ratzinger hat sein Leben auch nicht für Menschenrechte eingesetzt, sondern wurde in diesem Jahr beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angezeigt – unter anderem wegen des tödlichen Kondomverbots der Kirche und wegen der Aufrechterhaltung eines weltweiten Vertuschungssystems von Sexualverbrechen. Seine Kirche zwingt Eltern mit Verdammungsdrohungen, ihren Kindern bereits als unmündige Säuglinge die Freiheit der Entscheidung zu nehmen, welcher Religion sie angehören wollen. Und er ist „Staatsoberhaupt“ eines Staates, der weder demokratische Wahlen noch eine Gewaltenteilung kennt. Dennoch soll er im Bundestag eine Rede halten dürfen.

Noch wäre Zeit genug, auch den Papst auszuladen und ihm nicht eine Ehrung zuteil werden zu lassen, die ihm nicht zusteht.



Von Polen lernen

Es tut sich was in Europa. Nachdem der irische Regierungschef Enda Kenny den bemerkenswerten Satz von sich gab:

„Das Irland des 21. Jahrhunderts wird sich nicht länger katholischer Macht fügen“, ...
(wir berichteten: http://derstandard.at/1310511278934/Zu-Kindesmissbrauch-Irland-bestellt-Botschafter-des-Vatikans-ein)

... hat offenbar auch der polnische Premierminister Donald Tusk Mut gefasst und laut Süddeutscher Zeitung (15.7.11) erklärt:

„Die Regierung kniet nicht vor dem Klerus nieder, sondern nur vor Gott!“

Er wehrt sich damit gegen den neuerlichen Versuch des fundamentalistischen Marien-Paters Tadeusz Rydzyk (Radio Maryja), sich verstärkt in die polnische Politik einzumischen.

Zwei der katholischsten Länder Europas begehren gegen den Vatikan auf. Wann lösen sich auch deutsche Politiker aus ihrer Angstlähmung?