Freie Bürger für demokratische Werte

Atomenergie: Kardinal Marx widerspricht dem Papst

Warum schweigt Joseph Ratzinger?

Atomenergie: Kardinal Marx widerspricht dem Papst

Atomenergie: Kardinal Marx widerspricht dem Papst

„Es ist unglaublich: Da spielt ein Kardinal den Atom-Saubermann und tut so, als ob seine Kirche schon immer skeptisch gegenüber der Atomenergie gewesen sei. Doch sein Chef, der bisher eine völlig andre Ansicht vertreten hat, hüllt sich beharrlich in vielsagendes Schweigen“. Mit diesen Worten griff Dieter Potzel, energiepolitischer Sprecher der kirchenkritischen Organisation Freie Bürger für demokratische Werte, die jüngsten Äußerungen von Kardinal Reinhard Marx aus München auf, der gegenüber der Rheinischen Post erklärt hatte: „Insofern ist die kirchliche Mehrheits-Position, aus dieser Energiegewinnung auszusteigen.“ (http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Atomenergie-ist-Teufelszeug_aid_985213.html)

„Seit wann gilt in der Vatikankirche die Mehrheitsmeinung?“, so Potzel. „Dort hat immer noch der oberste Chef das Sagen, der seine Kirche mit diktatorischer Vollmacht regiert. Und Joseph Ratzinger ist, nach allem, was wir wissen, ein ausgewiesener Atom-Hardliner.“ Schon im Herbst 1986 – also kurz nach Tschernobyl – sei er, damals noch als Präfekt der Glaubenskongregation oberster Nachfolger der früheren Großinquisitoren, von Papst Wojtyla nach Bayern entsandt worden, um, so der Spiegel damals, „die Bischöfe auf ihrem Atomkurs zu stützen. Kirchliche Amtsträger dürften nicht, so Ratzinger, in der Debatte um die Atomenergie ‚Orakel spielen’ und ‚von oben her’ mit einer Sachkompetenz sprechen, die ihnen nicht zukomme.“ (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13521423.html)

Und noch im Juli 2007 feierte Papst Ratzinger in einem Angelusgebet die „Internationale Atomenergiebehörde“ (IAEA) zu deren 50-jährigem Bestehen. Er stimme den Zielsetzungen dieser Organisation, deren Mitglied der Heilige Stuhl sei, „voll und ganz zu“: „... den friedlichen und sicheren Gebrauch der Kerntechnologie ... zu begünstigen.“ (vollständiges Zitat unter http://www.freie-buerger-fuer-demokratische-werte.de/presse/die-mitschuld-der-kirchen-am-atomdesaster/index.html)

„Es ist bezeichnend“, so Potzel weiter, „dass der ‚Heilige Stuhl’ bis heute zwar die Europäische Menschenrechtskonvention nicht ratifiziert hat, aber bekennendes Mitglied der IAEA ist, einer oft fälschlicherweise als ‚Behörde’ bezeichneten Agentur der Atomindustrie.“ Und wenn Kardinal Marx jetzt die Atomenergie beiläufig als „Teufelszeug“ apostrophiere und bedauernd äußere: „Die Atomkraftwerke sind jedoch leider in der Welt“, dann komme das 60 Jahre zu spät. Marx drücke sich um die historische Mitverantwortung seiner Kirche am jetzigen Atomdesaster herum. „Denn es waren eben nicht nur ‚manche Konservative’, die die Risiken ‚lange Zeit falsch gesehen’ hätte, wie Marx uns glauben machen will, sondern es waren gerade auch die Großkirchen, die seinerzeit einen noch weit größeren Einfluss auf die öffentliche Meinung hatten als heute.“

Es sei ja verständlich, so Potzel, dass Marx die nach dem „Missbrauchs-Supergau“ besonders hohen Kirchenaustrittszahlen in Bayern dadurch vergessen lassen möchte, dass er nun besonders eifrig an der „Atom-Schraube“ zu drehen versuche. „Aber dieses Manöver bleibt unglaubwürdig, solange sein Chef Joseph Ratzinger zu diesem Thema schweigt. Offenbar will der Papst nicht vom hohen Ross steigen und zugeben, dass er jahrzehntelang falsch gelegen hat. Doch Fehler zuzugeben, das gebietet schon der demokratische Anstand. Wer diesen nicht besitzt, der sollte auch nicht im Bundestag sprechen dürfen!“