Freie Bürger für demokratische Werte

Mitschuld der Kirche am Atomdesaster

Die Mitschuld der Kirchen am Atomdesaster

„Nach Fukushima wollen sie jetzt plötzlich alle schon immer gegen die Atomenergie gewesen sein, auch die Kirchen. Doch die sind in Wahrheit mit schuld an der jahrzehntelangen Verharmlosung des sogenannten Restrisikos.“ Mit diesen Worten kommentierte Dieter Potzel, energiepolitischer Sprecher der kirchenkritischen Organisation Freie Bürger für demokratische Werte, die jüngsten Äußerungen von Kirchenvertretern zum Atomunfall im japanischen Fukushima.

„Jetzt fordern die bayerischen Bischöfe plötzlich den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kernenergie, ebenso wie z.B. die lutherische Synode Mitteldeutschlands. Doch wer hat denn die Kernenergie von Beginn an fast bedingungslos unterstützt? Das waren doch die Kirchen!“, so Potzel weiter. In den 50er Jahren hätten katholische und teilweise auch lutherische Theologen sogar Atomwaffen befürwortet, später aber auf jeden Fall die angeblich „friedliche Nutzung“ dieser Hochrisikotechnologie. „Und nun tun sie so, als seien sie schon immer skeptisch gewesen.“

„Die generelle Zustimmung der Kirchenleitungen zur atomaren Energie über Jahrzehnte hinweg ermöglichte es sowohl katholischen Bundeskanzlern wie Adenauer oder Kohl als auch lutherischen Regierungschefs wie Erhard, Schmidt oder Merkel, den Ausbau der Kernenergie immer weiter voranzutreiben bzw. mit ihrer Politik die Atomlobby massiv zu unterstützen. Die Kirchen können sich hier nicht aus ihrer historischen Verantwortung stehlen“, so der lutherische Theologe und ehemalige Pfarrer.

Wie unglaubwürdig diese vordergründige Kehrtwende heute sei, das sehe man z.B. daran, was der amtierende Papst noch am 29. Juli 2007 bei einem Angelusgebet in seiner Sommerresidenz Castelgandolfo erklärt habe:

„Heute vor genau 50 Jahren trat das Statut der IAEA in Kraft, der Internationalen Atomenergiebehörde, die mit dem Auftrag eingerichtet worden ist, »in der ganzen Welt den Beitrag der Atomenergie zum Frieden, zur Gesundheit und zum Wohlstand zu beschleunigen und zu steigern«. Der Heilige Stuhl stimmt voll und ganz den Zielsetzungen dieser Organisation zu; er ist seit ihrer Gründung deren Mitglied und unterstützt auch weiterhin ihre Tätigkeit. Die in den letzten 50 Jahren eingetretenen epochalen Veränderungen machen deutlich, dass an den schwierigen Scheidewegen, an denen sich die Menschheit befindet, der Einsatz immer aktueller und dringlicher wird, für die Nicht-Verbreitung von Nuklearwaffen einzutreten, eine progressive und konzertierte Abrüstung von Kernwaffen zu fördern und den friedlichen und sicheren Gebrauch der Kerntechnologie für eine echte Entwicklung zu begünstigen, die die Umwelt achtet und immer auf die benachteiligteren Völker bedacht ist.“

„Katholische Bischöfe, die heute den Ausstieg aus der Kernkraft fordern“, so Potzel, „müssen höllisch aufpassen, dass sie sich nicht längst außerhalb dessen bewegen, was ein angeblich unfehlbarer Papst noch immer für wahr hält. Solange Joseph Ratzinger diese verantwortungslosen Äußerungen über die Kernkraft nicht öffentlich widerruft und solange er sich für die unheilvolle Rolle seiner Kirche nicht entschuldigt hat, sollte er auch nicht im Deutschen Bundestag reden dürfen. Das gebietet schon der politische Anstand!“