Freie Bürger für demokratische Werte

Sprengstoff Bibel–wann distanziert sich Ratzinger?

Sprengstoff Bibel–wann distanziert sich Ratzinger?

Sehr geehrte Abgeordnete

„Während man nun in ganz Europa fieberhaft nach Verbindungen und Kontakten des norwegischen Terrortäters fahndet, wird die eigentliche Wurzel seiner ideologischen Verblendung ausgeblendet: die gewaltverherrlichenden Passagen der Bibel!“ Dieter Potzel, Sprecher der kirchenkritischen Organisation Freie Bürger für demokratische Werte, verweist in diesem Zusammenhang auf die Spiegel-online-Meldung vom 25.7.11: „Vergleichbar einem Qaida-Ideologen suchte Breivik aus der Bibel Passagen heraus, die Gewalt legitimieren. Gewalt sei nicht nur erlaubt, sondern sogar notwendig.“

„Leider hat der Attentäter in Bezug auf die Bibel nur allzu recht“, so der lutherische Theologe und ehemalige Pfarrer Potzel. Dies sei in zahlreichen Bibelstellen nachzulesen, so etwa im 4. Buch Mose, 31: "´Rüstet unter Euch Leute zum Kampf gegen die Midianiter, die die Rache des HERRN an den Midianitern vollstrecken.` Und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der HERR es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war. Und die Israeliten nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten sie und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte, wo sie wohnten, und alle ihre Zeltdörfer.“

Der Attentäter Anders Breivig gehöre zwar offiziell der evangelisch-lutherischen Staatskirche an, so Potzel weiter, doch er unterstütze laut dem kirchlichen Informationsdienst idea (24.7.2011) „einen kollektiven Übertritt zum Katholizismus“. Und er verstehe sich selbst als kirchlichen „Tempelritter“, der „Ungläubige“ zu vertreiben habe. „Diese fundamentalistische Haltung“, so Potzel, „hat ihre Wurzeln eindeutig in der Kirche. Und das Fatale ist, dass sich auch die Vatikankirche bis heute nicht von diesen gewaltverherrlichenden Wurzeln distanziert hat, im Gegenteil: In dem von Joseph Ratzinger selbst herausgegebenen Katechismus steht wörtlich zu lesen: ‚Das Alte Testament bereitet das Neue vor, während dieses das Alte vollendet. Beide erhellen einander; beide sind wahres Wort Gottes.’ (Nr. 140) Und wie sich das Alte Testament nach der Lehrmeinung unzähliger für "unfehlbar" erklärter Päpste vollenden soll, das hat man in den vergangenen Jahrhunderten ja sehen können.“

„Es wird von Tag zu Tag deutlicher, dass es eine Fehlentscheidung war, Joseph Ratzinger im Bundestag sprechen zu lassen“, so Potzel. „Fundamentalisten sind gefährlich und passen nicht zu unserer guten Demokratie. Und wenn man sich von dem gewalttätigen Fundamentalisten von Oslo zu Recht mit Abscheu abwendet, dann sollte man den geistigen Fundamentalisten aus Rom zumindest nicht durch eine Bundestagsrede ehren.“