Freie Bürger für demokratische Werte

Wem dient der Bundestag?

Pressemitteilung Freie Bürger

„Der deutsche Bundestag steht mit Kräften im Bunde,
die Kriegsgräuel absegnen und für die Täter beten.“

Auf immer stärkere Kritik stößt in Deutschland die für 22. September geplante Rede des Papstes im deutschen Bundestag. „Wie kann man einen Mann im deutschen Parlament reden lassen, der am Grab eines Faschistenfreundes betet?“, fragt die kirchenkritische Organisation „Freie Bürger für demokratische Werte“.

Anlass ist der Besuch von Papst Joseph Ratzinger in Kroatien, bei dem er unter anderem am Grab des 1998 selig gesprochenen Kardinals Alojzije Stepinać (1898-1960) betete. „Doch Stepinać war in die Gräueltaten der katholisch-faschistischen Ustascha-Milizen tief verstrickt“, sagen die „Freien Bürger“.

Zu den Tatsachen: Stepinać war als Erzbischof von Zagreb nicht nur zwischen 1941 und 1943 oberster Kirchenmann eines katholisch-faschistischen Regimes von Hitlers Gnaden. Er war auch seit Januar 1942 der offizielle Militärvikar der Ustascha-Milizen, die zu diesem Zeitpunkt bereits Hunderttausende orthodoxer Serben zwangsbekehrt oder ermordet hatten – in vielen Fällen auch beides nacheinander. Die Serben wurden erschossen, erstochen, erschlagen, geköpft, ertränkt, gevierteilt, erwürgt, lebendig begraben, lebendig verbrannt, gekreuzigt oder zu Tode gefoltert. Die bestialische Grausamkeit, die dabei zutage trat, erschreckte sogar im Land stationierte Militärs der italienischen Faschisten und der deutschen Nationalsozialisten. Das hielt den kroatischen Primas Stepinać aber nicht davon ab, während der gesamten Zeit mit dem faschistischen Regime ganz offen zu kollaborieren und die Geburtstage des Faschistenführers und Massenmörders Ante Pavelić in allen Kirchen des Landes mit Messen und Te Deum zu feiern. Stepinać erhob keinen einzigen öffentlichen Protest gegen die Massenschlächtereien, die einem Völkermord gleichkamen; keiner der Mörder wurde jemals exkommuniziert. Wie auch – gehörten zu ihnen jedoch zahlreiche Franziskanermönche wie z.B. Miroslav Filipović-Majstorović, der zeitweise das berüchtigte Konzentrationslager Jasenovac leitete, in dem ca. 100 000 Serben und Juden ermordet wurden. Stepinać dankte noch 1943 den Franziskanern ausdrücklich für deren „Verdienste“ bei der „Bekehrung“ der Orthodoxen. Katholische Kirchen und Klöster dienten als Waffenlager und Befehlszentralen; Stepinać und zehn weitere Geistliche ließen sich ins faschistische Parlament berufen. Auch Papst Pius XII. schwieg nicht nur zu den Kriegsverbrechen, er empfing auch den Anführer Pavelić und seine Generäle immer wieder wohlwollend zu Audienzen, nannte den Faschistenboss einen „praktizierenden Katholiken“ und entließ ihn dann „mit den besten Wünschen für die weitere Arbeit“. Pavelić entkam nach dem Krieg auf der vom Vatikan eingerichteten „Rattenlinie“ und starb 1959 in Madrid mit dem Segen des Papstes.

Dieses düstere Kapitel des 20. Jahrhunderts wäre fast in Vergessenheit geraten, wenn es nicht der jugoslawische Historiker Vladmir Dedijer („Vatican i Jasenovac“, Belgrad 1987, deutsch: „Jasenovac – das jugoslawische Auschwitz und der Vatikan“, 1988) und der deutsche Schriftsteller Karlheinz Deschner („Die Politik der Päpste im 20. Jahrhundert“, 1982, 2. Teil, S. 210 ff.) für die Nachwelt aufgezeichnet hätten.

„Wie sein Vorgänger hat Papst Joseph Ratzinger bei seinem Besuch in Kroatien offenbar nicht die Absicht, diese schreckliche Vergangenheit aufzuarbeiten – im Gegenteil: Er betet am Grab eines der Täter“, so die „Freien Bürger“. „Der deutsche Bundestag, der ihn dennoch zu einer Rede einladen will, steht also mit Kräften im Bunde, die faschistische Kriegsgräuel absegnen – so wie der Vatikan unter Ratzingers Leitung bis heute auch Sexualverbrechen an Kindern vertuscht. Deutschland sollte sich schämen, wenn es so leichtfertig den guten Ruf aufs Spiel setzen würde, den es sich nach dem Krieg als demokratische Nation mit einer vorbildlichen Verfassung erarbeitet hat.“

Hinweis: Lesen Sie auch unseren Brief an die Bundestagsabgeordneten:
http://www.freie-buerger-fuer-demokratische-werte.de/briefe/an-die-abgeordneten-protest-gegen-papstrede-juni/index.html