Freie Bürger für demokratische Werte

Wer gefährdet die Religionsfreiheit?

Wer gefährdet die Religionsfreiheit?

21.01.2011

„Es nützt nichts, immer nur Verstöße gegen die Religionsfreiheit zu beklagen, solange man über die Hintergründe nicht nachdenkt.“ Dies sagte Alfred Schulte, Experte für Religionsfreiheit der Freien Bürger für demokratische Werte, anlässlich der jüngsten Äußerung von Bundestagspräsident Lammert.

Lammert hatte gesagt: „Leider sind die Christen die bei weitem am meisten verfolgte religiöse Minderheit in der Welt.“ http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2011/33046970_kw02_kopten/

In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag hatte der Papst wörtlich dasselbe geäußert. „Heisst das, dass die muslimischen Zivilisten, die zu Tausenden in Kriegen und Bürgerkriegen in Afghanistan und im Irak ermordet wurden, weniger Aufsehen erregen?“, fragt Schulte. „Und wer hat diese Kriege ausgelöst? Wer hat die Büchse der Pandora geöffnet? Hat nicht Papst Ratzinger ein sehr inniges Verhältnis zum Kriegstreiber und Bibelfanatiker George W. Bush, der diese Angriffskriege vom Zaun gebrochen hat? Bush sprach in diesem Zusammenhang von einem ‚Kreuzzug’ und rief damit schlimme Erinnerungen wach. Muss man sich wundern, wenn aufgehetzte Menschen in islamischen Ländern sich nun wehrlose Opfer suchen, die vor der Haustüre leben?“

Es grenze an Heuchelei, so Schulte, wenn nun die Katholiken Lammert und Ratzinger unisono die verfolgten Kirchenchristen bedauern, den historischen Hintergrund und die Fehler des Westens jedoch ausblenden. „Vor allem sollte gerade die Vatikankirche sich beim Thema Religionsfreiheit zurückhalten. Denn sie hat über Jahrhunderte die Religionsfreiheit nicht nur missachtet, sondern immer wieder ‚Heilige Kriege’ und Kreuzzüge gegen Andersgläubige angezettelt. Noch im 20. Jahrhundert brachten katholische Faschisten in Kroatien Hunderttausende orthodoxer Serben um – unter reger Beteiligung katholischer Geistlicher und mit stillschweigender Billigung von Papst Pius XII.“ Auch heute noch lasse die Vatikankirche Unwahrheiten und Verleumdungen gegen religiöse Minderheiten verbreiten, auch in Deutschland. Und gerade Joseph Ratzinger habe jahrelang als Vorsitzender der Glaubenskongregation, der Nachfolgebehörde der ‚Heiligen Inquisition’, von nicht systemkonformen Theologen Unterwerfungserklärungen verlangt, die der Freiheit des Gewissens und damit auch der deutschen Verfassung diametral widersprächen.

„Wenn Bundestagspräsident Lammert seinen obersten Glaubensboss gerne reden hört, so soll er nach Rom fahren“, so Schulte. „Aber dass er ihn in den Bundestag eingeladen hat, grenzt an Amtsmissbrauch. Er kann ja gerne in seiner Partei den Bock zum Gärtner machen, aber bitte nicht im deutschen Parlament!“