Freie Bürger für demokratische Werte

Keine Kirchenprivilegien? Und ob!

Keine Kirchenprivilegien? Und ob!

Winfried Kretschmann tappt im Dunkeln. Der Hinweis in einem Interview auf die Gründung eines Arbeitskreises „Säkulare Grüne“ in seiner Partei scheint Ministerpräsident Winfried Kretschmann gehörig geärgert zu haben. Denn in seiner Antwort gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (9.2.13) versteigt er sich zu der Behauptung: „Die Kirche besitzt keine Privilegien!“ „Und ob, Herr Kretschmann!“, entgegnet Matthias Holzbauer, Sprecher der kirchenkritischen Vereinigung Freie Bürger für demokratische Werte.Das beginne schon bei der Kirchensteuer, die Kretschmann als bezahlte „Dienstleistung“ des Staates an die Kirche rechtfertigt, so Holzbauer. „Er verschweigt, dass der Staat seit dem Hitlerkonkordat (!) von 1933 sämtliche Wirtschaftunternehmen zwingt, diese Beträge über ihre Buchhaltung kostenlos abzuwickeln.“ Die „Staatsleistungen“ verteidigt Kretschmann mit der Behauptung, dies sei eine „Verpflichtung“ des Staates aus dem frühen 19. Jahrhundert, „als die Kirchen enteignet wurden.“ „Hier versucht uns die Kirche einen Bären aufzubinden – und Kretschmann hilft ihr dabei“, so Holzbauer weiter. „’Die Kirchen’ wurden damals nämlich gar nicht enteignet. Lediglich einige Fürstbischöfe verloren ihre Regierungsgewalt, weil das gerade aufgelöste Deutsch Reich seine Lehen wieder einzog. Der Staat sagte diesen Kirchenfürsten lediglich persönliche Leibrenten auf Lebenszeit zu – von einer Dauerzahlung über Jahrhunderte war keine Rede.“ Der Staat könne seine Zahlungen deshalb ohne jede Ablösung sofort einstellen – und er müsse es auch, wenn er seine Verfassung ernst nimmt, die dies seit 1919 (!) gebiete. Dass die Kirchen außer den „Staatsleistungen“ noch zahlreiche weitere milliardenschwere Subventionen erhalten – Steuerbefreiungen, Religionsunterricht, Ausbildung der Theologen und vieles mehr, alles in allem 15 Mrd. Euro jährlich – übersehe der Ministerpräsident großzügig.Bleibt die Frage: „Von wem wurde Herr Kretschmann eigentlich in sein Amt gewählt? Vom Volk oder von den Bischöfen?“