Freie Bürger für demokratische Werte

„Kirche der Armen? Ein frommer Wunschtraum!“

„Wie wär’s mit einem freiwilligen Verzicht auf Staatsleistungen?“

„Kirche der Armen? Ein frommer Wunschtraum!“

Papst Jorge Bergoglio hat mit seinem „Wunsch“ nach einer „armen Kirche und einer Kirche der Armen“ in der steinreichen deutschen Kirche offenbar für Aufruhr gesorgt. Die deutschen Bischöfe geraten ganz offensichtlich in Erklärungsnöte. Doch ihre Reaktionen sehen nach bloßen Ablenkungsmanövern aus.

Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki etwa fordert, die Kirche solle sich „kritischer mit dem eigenen Reichtum auseinandersetzen. ... Wo wir als Kirche ... Vermögen, Gebäude und Grundstücke besitzen, dürfen sie nur dazu dienen, unseren Auftrag wahrzunehmen, und dazu gehört die Sorge um sozial benachteiligte Menschen.“ „Das klingt noch reichlich nebulös“, entgegnet Matthias Holzbauer, Sprecher der kirchenkritischen Organisation Freie Bürger für demokratische Werte. Woelki deute zwar den gigantischen Reichtum der Kirche an, den der Politologe Carsten Frerk allein für die deutsche Vatikankirche auf 270 Milliarden Euro schätzt. „Doch er erweckt geschickt den Eindruck, als ob dieser Reichtum schon jetzt weitgehend den Armen zugute käme.“ Davon könne aber keine Rede sein. Von ihren Aktienpaketen, Immobilieneinnahmen in bester Lage und den massiven europäischen Agrarsubventionen für ihren Grundbesitz gebe die steinreiche Kirche kaum je etwas ab.

In ähnlicher Verschleierungstaktik übe sich auch der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, wenn er davor warne, die Kirchensteuer aufzugeben, denn: „... der Kirche würden dann Gelder für karitative Aufgaben und die Entwicklungshilfe fehlen“, so der Erzbischof. „Dabei weiß er doch ganz genau, dass nur etwa fünf Prozent der Kirchensteuer für soziale Zwecke verwendet werden, den Rest der kirchlichen Sozialausgaben zahlt der Steuerzahler. Und die Gelder für ausländische Projekte stammen hauptsächlich aus Spenden oder Staatszuschüssen“, so Holzbauer. „Wenn die deutschen Bischöfe tatsächlich etwas für die Armen tun wollten, so wäre der erste konsequente Schritt, auf die umfangreichen staatlichen Subventionen und Steuerbefreiungen – insgesamt an die 15 Milliarden Euro – zu verzichten, die sie Jahr für Jahr vom Staat einstreichen.“ Darunter sei knapp eine halbe Milliarde „Dotationen“ und „Baulasten“, die auf einem skandalösen historischen Betrugsmanöver beruhten. Entgegen kirchlicher Behauptungen sei die angebliche historische „Begründung“ dieser Zahlungen aus napoleonischer Zeit schlichtweg erdichtet. „Doch die anderen Subventionen sind genauso wenig begründbar, sondern einfach skandalös“, so Holzbauer weiter. „Solange die Kirchen hier weiter den Staat schröpfen, der mit diesem Geld z.B. Arbeitsplätze für die Bedürftigen schaffen könnte, bleibt der Wunsch des Papstes nach einer ‚Kirche für die Armen’ ein Wunschtraum, reine Utopie.“